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Partnerschaftskonflikte und Meditation

Eine Partnerschaft ist mehr als die Summe zweier Teile, sie geht als Ganzes weit darüber hinaus. Darin liegt ihr Vorteil und ihre Attraktivität. In der Partnerschaft verstärken sich nicht nur gleiche oder ähnliche Eigenschaften. Es ergänzen sich auch unterschiedliche Fähigkeiten und Bedürfnisse. So können Menschen mit scheinbar gegensätzlichen Charaktereigenschaften stabile Beziehungen aufbauen. Wenn es dann doch zu ernsthaften Zwistigkeiten kommt, wird die eine oder der andere sagen: „Wir sind zu verschieden, wir passen nicht zusammen!“ Das dürfte aber nur vordergründig stimmen. Im Hintergrund wird der Menschen von vielen anderen, zum Teil sehr unterschiedlichen Bedürfnissen gesteuert, die uns nicht bewusst sind. So kann sich ein sehr zurückhaltender und schüchterner Mensch unbewusst einen Partner auswählen, der selbstsicher oder sogar angeberisch auftritt, um über ihn seine Defizite auszuleben. Umgekehrt nutzt der Angeber den stillen, selbstunsicheren Partner um seine versteckte Ängstlichkeit, seine Selbstzweifel unterzubringen.

In der Partnerschaft vereinigen sich die verschiedenen Eigenschaften zu einem größeren Ganzen. Das Selbst übernimmt die Rolle des Fürsprechers und sorgt für den Zusammenhalt. Die Egos wollen sich damit nicht abfinden und fordern ihr Hausrecht ein. Sie opponieren gegen die Partnerschaft. Partnerkonflikte sind das Ergebnis des inneren Kampfes dieser beiden Instanzen: Die Egos auf der einen Seite, das Selbst auf der anderen. Einmal siegt das Ego, danach das Selbst, dann wieder das Ego und sofort. Einmal ist die Partnerschaft das Schlimmste, was einem überhaupt passieren konnte, etwas später dann wieder das Beste, was einem jemals widerfahren ist.

Wie kann man sich nun aus diesem Teufelskreis befreien? Von diesem Spannungsfeld zwischen persönlicher Freiheit und Selbstbestimmung auf der einen Seite und dem Wunsch nach Gemeinsamkeit und Geborgenheit auf der anderen lebt jede Partnerschaft. Wir wollen ja lieben und geliebt werden, aber eben auch frei sei. Auf keines von beiden möchten wir verzichten. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als die Partnerschaft als Ganzes zu akzeptieren.

Um die Partnerschaft als Ganzes akzeptieren zu können, müssen wir zunächst lernen, auch die Partnerin oder den Partner als Ganzes zu betrachten und anzunehmen. Wer sich vor dem Traualtar das Ja-Wort gibt, kann ja schlecht sagen: Ja, aber nur die eine Hälfte, die andere bitte nicht. Man kann nur den ganzen Menschen lieben, weil er nun einmal nicht teilbar ist. Und wenn wir uns darüber auch keine Rechenschaft ablegen wollen oder können, existieren in uns doch bestimmte Tendenzen, deren wir uns schämen und die wir deshalb nicht wahrhaben wollen. In jedem von uns wirkt das Gute neben dem Schlechten. Das dürfen wir nie vergessen. Die negativen Anteile streben genauso nach Verwirklichung wie das Gute in uns. Unser Gewissen versucht sie solange daran zu hindern, bis sie stark genug werden, um sich irgendwann durchzusetzen und uns zu Reaktionen zu zwingen, die wir nachher bereuen. Eine andere viel subtilere Form der Verwirklichung findet das Negative, indem es sich mit den schlechten Verhaltensweisen des Partners identifiziert und entlastet. Das schenkt uns die Gelegenheit, ihn anstelle von uns zu kritisieren. Der Partner wird so zum Spiegelbild von uns selbst. Könnten wir das erkennen, würden wir mit ihm wohl etwas rücksichtsvoller umgehen.

Obwohl Liebe nicht teilbar ist, scheint sie sich nur auf bestimmte angenehme Eigenschaften des Partners beziehen zu wollen. Man kann aber keine Eigenschaften lieben. Wie sollte man Schönheit ohne das schöne Objekt lieben? Hier kommt das Ich ins Spiel, das meint, es könne Eigenschaften vom Partner ablösen und aufteilen in diejenigen, welche es mag und die es ablehnt. Ein Ding der Unmöglichkeit, weil kein Mensch teilbar ist. Das Bedürfnis zu teilen und zu zergliedern ist typisch für das Ich. Das Selbst wäre dazu nicht in der Lage, es kennt immer nur ein einheitliches Ganzes.

Hinweise zur Meditationspraxis:
Meditative Übungen können in mehrfacher Hinsicht zur Stabilisierung einer Partnerschaft beitragen. Indem sie eine Verminderung der Ich-Dominanz anstreben, schwächen Sie einerseits das immer partnerschaftskritische Ego, und stärken auf der anderen Seite das harmoniebetonte Selbst. Wenn nun noch versucht wird, die Ich-Grenze aufzuweichen um mit der Umgebung eins zu werden (wie mit der Alltagsmeditation beschrieben), dann wird auch der Graben zwischen dem Ich und dem Du schmaler werden. In dem Maße, wie der Gegensatz zwischen dir und mir verschwimmt, öffnet sich der Blick für das scheinbar Andersartige im Partner und lässt es allmählich als eigenes Spiegelbild erahnen.

Während der Meditation sind mehrere Einheiten zu beobachten, die in Gegensätze zu zerfallen scheinen. Da sind einmal die Ein- und Ausatmung, über die schon auf der Seite Das Ganze und seine Teile gesprochen wurde. Zum andern sind es die vor dem inneren Auge vorbeiziehenden Zahlen, die mit den dazwischen liegenden Pausen eine Einheit bilden. Bei guter Konzentration werden Sie nur Zahlen und Pausen wahrnehmen, sonst nichts. Soviel Sie auch suchen, nirgends wird ein Ich zu erkennen sein. Die Zahlen kommen und gehen. Es ist unmöglich, eine Zahl aufzuhalten. Diese Übung ist sehr hilfreich, um sich die Vergänglichkeit allen Seins zu vergegenwärtigen. Sie zeigt Ihnen die Sinnlosigkeit des Versuches irgendetwas festhalten zu wollen. Sie können auf diese Art sehr gut das Loslassen trainieren. Die Unfähigkeit loszulassen, eigene Meinungen, Einstellungen oder festgefahrene Standpunkte freiwillig aufzugeben, macht uns unflexibel und belastet jede soziale Beziehung. Wer das Loslassen beherrscht, vermag sich jeder Situation geschmeidig anzupassen und spart viel Lebensenergie.

Zurück zum Zählen. Sie als der innere Beobachter haben die Freiheit zu entscheiden, ob Sie sich auf die Zahlen oder auf die Pausen konzentrieren möchten. Sie sollten das auch abwechselnd tun. Die Pausen sind das Nichts, der Hintergrund, den die Zahlen benötigen, um sich darzustellen. Beide sind untrennbar miteinander verbunden und gegenseitig voneinander abhängig. Wieder liegt es in Ihrer Macht zu entscheiden, ob Pausen und Zahlen Gegensätze oder Einheit sein sollen. Genauso bestimmen Sie, ob Partnerin und Partner ein Ganzes darstellen, oder als verschiedene Einzelpersonen wahrgenommen werden sollen.

 

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