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Das kleine und das große Ich

Wir leben normalerweise in unserem Ich-Gefühl. Dies wird als das kleine Ich bezeichnet. Im Gegensatz dazu steht das große Ich. Das große Ich hat viele Namen. Manche nennen es Bewusstsein, Geist, Seele, Gott, andere Natur, Energie, das Absolute oder das Ewige. Alle diese Begriffe weisen auf ein und das gleiche Unbeschreibbare hin. Ich habe es das Selbst genannt.

Die Identifizierung mit dem Ich ist der anthropozentrischen Sichtweise des Menschen zu verdanken, der sich selbst zum Mittelpunkt der Welt gemacht hat. Wer den Wahrnehmungsprozess ganz vorurteilsfrei untersucht, wird jedoch keinen sachlichen Grund finden, der diese Vorstellung rechtfertigt. Es hat bei uns in Europa einige Denker gegeben, die dem großen Ich sehr nahe gekommen waren (z.B. Hegel, Schelling, Heidegger). Im Folgenden geht es aber nicht um Philosophie, sondern um die Beschreibung des Wahrnehmens in Bezug auf das kleine und große Ich.

Angenommen wir sehen am Tage einen Baum. Der Prozess des Sehens beginnt nicht am Auge, wie man zuerst meinen könnte, sondern bei der Sonne. Er dauert insgesamt etwa acht Minuten. Das ist die Zeit, die das Licht braucht, um von der Sonne durch den Weltraum zum Baum zu gelangen. Am Baum wird das Licht reflektiert, erreicht dann die Netzhaut im Auge, wo die Lichtwellen zu Nervenimpulsen umgewandelt werden. Diese werden anschließend über den Sehnerven zum Gehirn weitergeleitet. In der Gehirnrinde entsteht schließlich das innere Bild des Baumes, das wir wahrnehmen.

Das hört sich komplizierter an, als es ist.
Deswegen der Prozess des Sehens nochmals schematisiert dargestellt:
Sonne – Weltraum – Licht - Baum – reflektiertes Licht – Auge – Sehnerv – Gehirnrinde inneres Bild des Baumes.

Der gesamte blau abgesetzte Bereich des Wahrnehmungsprozesses ist rein physikalischer Natur. Nur der grüne Bereich, das innere Bild des Baumes, hat Bewusstseinsqualität. Wer sieht den inneren Baum? Aus naturwissenschaftlicher Sicht ist es das Gehirn des Menschen. Das ist aber rational nicht plausibel, weil der gesamte blaue Bereich als ein zusammenhängender physikalischer Prozess gesehen werden muss, an dem alle einzelnen Glieder gleichermaßen beteiligt sind, von denen somit kein einzelnes Glied bevorzugt werden darf.

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum zu glauben, dass das innere Bild des Baumes im Gehirn entsteht und vom Gehirn gesehen wird. Beim Fernsehen entsteht das Fußballspiel auch nicht auf dem Bildschirm, sondern im Stadion. Und der Bildschirm selbst kann das Fußballspiel natürlich nicht sehen. Richtig ist, dass das innere Bild ein Gemeinschaftswerk ist von: der Sonne, dem Weltraum, dem Licht, dem Baum, dem Auge, dem Gehirn und dem Bewusstsein. Das Gehirn ist nur ein Teil dieser Funktionskette und keineswegs wichtiger als alle anderen. Wenn irgendein Glied in dieser Kette fehlte, ganz egal welches, dann gäbe es keinen inneren Baum mehr.

In dem soeben beschriebenen Prozess ist alles Natur. Der physikalische genauso wie der bewusste Bereich. Es ist also festzustellen: die Natur benutzt den Wahrnehmungsprozess dazu, um einen Teil von sich bewusst erlebbar zu machen. Und zwar nur einen sehr kleinen Teil: den Baum. Alles andere - Sonne, Weltraum, Licht, Auge, Gehirn usw.- bleiben im Dunklen.

Es sollte jetzt klar geworden sein, dass nicht das Gehirn - das kleine Ich - die wahrnehmende Instanz ist, sondern die Natur in ihrer Ganzheit: das große Ich. Ziel der Meditation ist es, dieses wahre Selbst zu entdecken. Die Buddhisten nennen das Erleuchtung. Natur, Selbst, das „große Ich und Erleuchtung sind jedoch nur Begriffe (Nominalsmen), mit denen wir uns verständigen. Solange wir an ihnen festhalten, kommen wir nicht weiter. Die wahre Natur ist vor den Wörtern und vor dem Wissen. Es ist das verloren Paradies, das Adam und Eva verlassen mussten, nachdem sie vom Baum der Erkenntnis gegessen hatten. Die wahre Natur ist vor den Wörtern und vor dem Wissen. Es ist das verloren Paradies, das Adam und Eva verlassen mussten, nachdem sie vom Baum der Erkenntnis gegessen hatten. Um diese Welt wiederzufinden, muss zuerst alles begriffliche Wissen vergessen werden.

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