Zwillingsparadoxon
- Auch Physiker können irren.
Stichworte:
Zwillingsparadoxon, spezielle Relativitätstheorie
(SRT), Einstein, Raum-Zeit-Diagramm.
Für
Außenstehende, die sich der speziellen Relativitätstheorie
Einsteins (SRT) nähern, wird ihr Verständnis nicht
zuletzt durch widersprüchliche oder nachweislich falsche
Aussagen von namhaften Physikern erschwert. Als Beispiel
sei hier die Darstellung des "Zwillingsparadoxon"
aus der Sicht eines ausgewiesenen Kenners der Materie, des
Mathematikers und Physikers Dr. Hans H. Sallhofer, in seinem
Buch „Hier irrte Einstein“ (Universitas Verlag 1997) angeführt.
Sallhofer
schreibt S. 124: „Besonders empfindlich ist die SRTH,
wie viele Näherungen, an ihren Grenzen: „Für die
Lichthexe Luxa, die ein Photon reitet, zieht sich die Welt
auf eine unendlich dünne „Weltplatte“ zusammen, auf
der die Photonenbahn senkrecht steht.“ Bis dahin richtig,
dann geht es sofort weiter: „Luxa sieht alle Uhren auf
der Weltplatte stillstehen“. Das ist jetzt völlig
falsch! Hier irrte Sallhofer. Richtig ist, dass Luxa alle
Uhren mit ihren verschieden Zeigerstellungen gleichzeitig
sieht. Dann fährt er fort: „Nur ihre eigene Uhr,
mit ihr in der Weltplatte lokalisiert, zeigt normalen Verlauf.“
Wiederum falsch. Da Luxa mit dem Photon mit Lichtgeschwindigkeit
reist, kontrahiert sich der Weg auf Null, so dass zwischen
Reisebeginn und Ende gar keine Zeit vergehen kann. Zwar
ist es zutreffend, dass ihr Uhr „normal“ geht. Das kommt
aber gar nicht zum tragen, weil Luxa sofort – instant -
am Ziel ist.
Dann
schreibt er weiter: „Große Abenteuerlust ließ
Luxa eines Tages einen Trip zum Alpha Centauri wagen. In
der Hoffnung, am Alpha reflektiert zu werden, sprang sie
auf ein Radar-Photon. ....... Nachdem auf ihrer Kalenderuhr
viereinhalb Jahre vergangen waren, erlebte sie am siebten
Wandelstern des Alpha eine Reflexion in die Ankunftsrichtung.
........ Nach weiteren viereinhalb Jahren in der Weltplatte
kam sie wieder auf der Erde an. Da alle Uhren der Welt während
ihrer neunjährigen Reise angehalten waren (falsch!),
war Luxa gegenüber den Erdenbürgern um neun
Jahre gealtert (falsch!). Man sah es ihr an. “
Sallhofer
hat hier das „Zwillingsparadoxon“ umgedreht. Er ist aber
in die Falle getappt, dass er nicht unterschieden hatte,
wer wo „landet“. Luxa ist im Ruhesystem der Erde gelandet,
und nicht umgekehrt. Sie hat ihr Ruhesystem gewechselt und
ist somit jünger geblieben. Die richtige Folgerung
dieses Gedankenexperimentes würde lauten: Auf der Erde
waren 9 Jahre vergangen, und Luxa ist immer noch genauso
alt, wie zu dem Zeitpunkt war, als sie die Erde verließ.
Aber nicht nur Sallhofer hat offensichtlich seine Probleme
mit der SRT. Es ist immer wieder das „Zwillingsparadoxon“,
das selbst gestandene Physiker in Schwierigkeiten bringt.
Auch Harald Fritzsch, der in seinem Buch „Eine Formel verändert
die Welt“ (1988 R. Piper GmbH & Co.KG, München)
eine gut verständliche Darstellung der SRT liefert,
bietet zum "Zwillingsparadoxon" eine zumindest
unzureichende, wenn nicht gar falsche Lösung an. Er
schreibt auf Seite 200: „Der Weltraumfahrer ist benachteiligt,
weil er diverse Brems- und Beschleunigungsmanöver ausführen
muss, während der auf der Erde verbleibende Zwillingsbruder
dies nicht nötig hat. Deshalb ist es der letztere,
der nach der Reise seines Bruders zwanzig Jahre älter
ist.“ Das mag sein, kann aber aus folgenden Gründen
nicht das ganze Problem erklären:
1. Wenn dies der einzige Grund wäre, müsste der
Bruder unabhängig von der Entfernung, die er zurücklegt,
immer den gleichen Altersunterschied aufweisen. Die „diversen
Brems- und Beschleunigungsmanöver“ würden ja in
jedem Fall nur einmal beim Wenden vor der Heimreise geschehen.
Tatsächlich nimmt der Altersunterschied mit der Entfernung
zu.
2. Der Astronautenbruder könnte auf Brems- und Beschleunigungsmanöver
völlig verzichten, wenn er für seine Rückkehr
die Raumkrümmung eines schwarzen Lochs ausnutzte. Er
könnte auch ewig geradeaus fliegen. Nach Einstein käme
er irgendwann zum Ausgangspunkt zurück. Möglicherweise
gäbe es die Erde zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr.
Fritsch
benutz ein Raum-Zeit-Diagramm zur Veranschaulichung des
„Zwillingsparadoxons“, wie es auch üblicherweise im
Internet immer wieder zu sehen ist. Zum Beispiel bei Wikipedia.
Aus meiner Sicht ist dieser Erklärungsansatz
jedoch unzureichend, weil das Diagramm die Situation nur
aus der Sicht des Erdenbruders zeigt. Die “Landung“ erfolgt
hier im Ruhesystem der Erde und nicht umgekehrt. Überzeugender
erscheint mir eine Beitrag im Forum wissenschaft-online.
Dieser Darstellung entspricht im Wesentlichen die Beschreibung
in meinem Buch.