Das
zeitlose Selbst
Die Sinnfrage
Was ist der Sinn des Lebens? Wenn man von religiösen
Erklärungsangeboten absieht, scheint es keine befriedigende
Antwort zu geben. Aus der Einheitssicht des Selbst kann
es auch keine geben. Der Sinn entsteht ja nur durch zerteilendes
Denken. Sowohl dem hellen Tag als auch der dunklen Nacht
kann ein Sinn gegeben werden:
Wir brauchen das Sonnenlicht des Tages, die Ruhe der Nacht
usw. Aber welchen Sinn hat der ganze Tag?
Der
Tag als Einheit kann keinen Sinn haben, weil Einheit nicht
dualistisch ist. Die Frage nach dem Sinn tritt immer erst
dann auf, wenn der Mensch die Einheit aufhebt oder aus ihr
herausgefallen ist. Im Buch wurde der Zustand der Verliebtheit
als ein Einheitsbeispiel beschrieben. Wenn sich jemand in
diesem Zustand befindet, solange er also bis über beide
Ohren verliebt ist, wird er niemals die Frage nach dem Sinn
des Lebens stellen. In dem Moment aber, wo er von der geliebten
Person verlassen wird, kommt sofort das Gefühl der
Sinnlosigkeit auf, und damit auch die Frage: was hat das
alles für einen Sinn? Die Sinnfrage ist somit immer
ein Zeichen des Verlustes der Einheit. Liebe und Einheit
sind untrennbar miteinander verbunden. Sie sind sich selbst
genug und dadurch sinnfrei, jedoch nicht sinnlos.
Das
gleiche gilt für das Leben, das ebenfalls als Einheit
zu betrachten ist. Es gibt kein halbes Leben. Erst wenn
wir es rationalisierend zerstückeln und einen Nützlichkeitsaspekt
hineinbringen, treten Sinnfragen auf. Wieso mache ich jetzt
dies oder jenes? Wem soll das nutzen. Was ist richtig, was
ist falsch? Alle diese Fragen beziehen sich immer auf Teilaspekte
des Lebens und haben als solche auch ihre Berechtigung.
Das Leben als Ganzes kann dagegen keinem Sinn folgen.