Replik
auf einen kritischen Leserbrief
Ihre
Kritik, es lassen sich in meinem Buch einige Widersprüche
auffinden, ist berechtigt. Das liegt aber zum größten
Teil daran, dass ich zum Zweck der besseren Verständlichkeit
einigen Begriffen eine Gegenständlichkeit zugewiesen
haben, die sie tatsächlich nicht besitzen. Sie schreiben
zum Beispiel: „...dann muss die physische Mitte mit
der geistigen Mitte übereinstimmen...“ Dieser
Satz ist als Aufforderung zu verstehen, nicht als gegebene
Voraussetzung. Der Körper besitzt eine Mitte. Bewusstsein
oder Geist als nicht physikalische Phänomene haben
dagegen keine Räumlichkeit und können deswegen
kein Zentrum bilden. Ich kann aber willentlich meine bewusste
Wahrnehmung und mein Fühlen auf den Bauch lenken. Der
Bauch ist das physikalische Zentrum, die geistige Mitte
mache ich. Das hat rein praktische Gründe, weil es
bei der Meditation darum geht den Gedankenfluss zu stoppen.
Der Bauch denkt nicht. Die Konzentration könnte sich
auch auf jeden anderen beliebigen Ort richten, auf den Kopf,
auf die Füße, oder auf einen vom Körper
entfernten Punkt. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass der
Bauch am geeignetsten ist. Das bedeutet aber nicht, dass
mein Bewusstsein jetzt im Bauch ist. Bewusstsein kann keinen
Ort haben. Es ist scheint jetzt dort zu sein, aber nur weil
ich es so will. Wenn ich allerdings herkäme und behauptete,
der Bauch sei ein Bewusstseinszentrum, dann wäre das
Mystik, Esoterik oder Metaphysik. (Naturwissenschaftler
benutzen diese Begriffe oft reflexartig, was dann zu Missverständnissen
führt.) Der Bauch ist und bleibt ein Bauch, nicht mehr
und nicht weniger. Man sollte also immer unterscheiden,
was von sich aus ist und was man selbst macht. So ist das
geographische Zentrum der BRD unabhängig vom Beobachter
wie Sei sagen zwischen Erfurt und Kassel. Politik hat keine
materielle Substanz, somit also ebenfalls keinen vorgegeben
Ort und keine Mitte. Die „politische Mitte“ ist als Entscheidung
der Gemeinschaft gemacht, und somit willkürlich (nach
Bedarf Berlin oder Bonn).
Meditation
wird häufig von Naturwissenschaftlern mit Mystik, Esoterik
oder Metaphysik in Verbindung gebracht. Tatsächlich
zielt Meditation auf eine Überwindung dieser Irrtümer
und Illusionen ab. Wer lange genug „in sich hineinschaut“,
wird dort keine Götter, Geister oder andere mysteriösen
Kräfte entdecken. Im Gegenteil, er wird lernen, dass
vieles, was er bislang für reale Gegebenheiten hielt,
nur das Produkt seiner mentalen Vorstellungen war. Dazu
gehören zum Beispiel Begriffe wie das Böse oder
das Gute, die wie eigenständige Mächte wirken,
die es aber in Wirklichkeit gar nicht gibt. Jemand kann
sich gut oder böse verhalten, das ist alles. Zu diesen
Illusionen gehört aber auch die Vorstellung von Zeit.
Für den „normalen“ Menschen wirkt die Behauptung, dass
es keine Zeit gibt, dass sie nur eine mentale Illusion sei,
absurd. In Gesprächen mit Physikern traf ich immer
wieder auf erstauntes Unverständnis. Wer lange genug
meditiert, wird es jedoch früher oder später verstehen.
Wobei dieses Verstehen weniger intellektuell geschieht,
sondern sich mehr als ein Aha-Erlebnis, als eine Art Eureka
plötzlich ergibt. Mit Mystik oder Esoterik hat das
nicht das Geringste zu tun.
Thema
Zeitlosigkeit:
Wie schon erwähnt hat die Zeitschrift „bild der wissenschaften“
im letzten Heft dieses Thema aufgegriffen. Diese Zeitschrift
ist sicherlich fern des Verdachtes von Mystik oder Esoterik.
Sie sollten mal hineinschauen. Titel: Zeit ist nur eine
Illusion. Auszüge: „....Denn immer mehr Physiker und
Philosophen kommen zu dem Schluss, dass es die Zeit objektiv
überhaupt nicht gibt. .... Die Relativitätstheorie
und die Arbeiten an einer „Weltformel“ haben die Zeit quasi
ausgelöscht. Stattdessen existiert eine vierdimensionale
Raumzeit – ein „Block-Universum“, in dem alles auf einmal
fixiert ist.“ Diese Aussagen sprechen für sich und
decken sich im Wesentlichen mit meinem Konzept. Wie Sie
sehen, stehe ich damit nicht alleine. Es gibt offensichtlich
Physiker, welche die Welt ähnlich sehen wie ich. Es
erübrigt sich zu erwähnen, dass dieses Thema unter
den Physikern weiterhin kontrovers diskutiert wird. Sie
müssen mir aber bitte zugestehen, dass ich mich auf
die Seite derjenigen schlage, die meine eigenen Vorstellungen
stützen. Keinesfalls kann ich als einsamer Exote betrachtet
werden. Wenn aber die Behauptung „Zeit ist nur eine Illusion“
zutreffend ist, dann macht das auch für den Titel meines
Buches „Das zeitlose Selbst“ Sinn.
Sie
schreiben: „Die Tatsache, dass wir den Zeitverlauf wahrnehmen
können, bedeutet aber gerade, dass auch wir uns mit
der Zeit bewegen...“. Da bin ich anderer Meinung. Das
wollte ich mit der Zeituhr verdeutlichen. Wer auf einem
Schiff auf dem Meer mit der Strömung treibt, wird diese
Bewegung nicht bemerken. Erst wenn er an einer Insel vorbeikommt,
kann er feststellen, dass er sich bewegt. Mit der Zeit dürfte
das nicht anders sein. Natürlich müssen wir prinzipiell
von einer Bewegung wissen. Und dieses Wissen erhalten wir
durch Erfahrung. Im aktuellen Fall auf dem Meer würde
uns das aber nicht weiterhelfen.
Sie
empfehlen: „..man muss sich für die Gravitation
der Erde eigentlich kein neues Wort ausdenken“. Dem
stimme ich zu. Dann kommt: „...korrekterweise müssten
Sie sagen: Materie ist die Ursache von Gravitation.“
Hier muss ich allerdings widersprechen. Woher wollen Sie
das wissen? Gravitation und Materie haben doch keine Ursache-Wirkung-Beziehung.
Sie sind für mich das Paradebeispiel von einer physikalischen
Einheit, mit der ich gerne das Verhältnis Gehirn-Bewusstsein
vergleiche. Deswegen möchte ich darauf etwas näher
eingehen. Ursache-Wirkung setzt immer einen zeitlichen Prozess
voraus. Zuerst Ursache, dann Wirkung. Gravitation und Materie
sind aber gleichzeitig da. Das eine geht dem anderen nicht
voraus. Und was Ursache ist, verändert sich auch selbst
durch seine Wirkung. Das bedeutet, wenn Materie Ursache
der Gravitation wäre, würde einer Wechselwirkung
entstehen und es kämen der erste und zweite Hauptsatz
der Thermodynamik ins Spiel. Wenn ich das richtig sehe (ich
bin kein Physiker), verändert sich Materie aber nicht
durch Gravitation. Sonst müsste ja die Masse eines
Planten allein durch die Gravitation zu- oder abnehmen.
Was
wissen wir denn über die Gravitation? Dass sie mit
Lichtgeschwindigkeit wirkt und immer nur in Verbindung mit
Materie auftritt. Ohne Materie keine Gravitation. Und man
kann sie genau berechen. Über das Wie wissen wir einiges,
aber nichts über das Was. Sie sagen: Materie ist die
Ursache von Gravitation. Abgesehen von den oben formulierten
Einwänden darf ich feststellen, dass man dies auch
schon umgekehrt gesehen hat, indem die Gravitation als eine
universale aus allen Richtungen wirkende Kraft angenommen
wurde. Unter dieser Perspektive würde die Erde für
den Mond einen „Gravitationsschatten“ bilden. Aufgrund dieses
„Schattens“ wäre die Krafteinwirkung auf der Erdseite
des Mondes im Vergleich zu seiner von der Erde abgewandten
Seite reduziert, was ihn auf die Erde zutreiben ließe.
Diese Theorie lässt Gravitation als ein völlig
eigenständiges, ursachenfreies Phänomen erscheinen,
das seinerseits zur Ursache der sich gegenseitig anziehenden
Materie wird. Es ist sozusagen die Kehrseite ihrer Vorstellung,
wonach die Materie zur Ursache der Gravitationskraft wird.
Aus meiner Sicht sind beide Versionen gleichermaßen
die Folge eines vermuteten Ursache-Wirkung-Verhältnisses,
was aber aus oben genannten Gründen nicht zutreffend
sein kann.
Auf
dieser vorausgesetzten Ursache-Wirkung-Beziehung aufbauend
schreiben Sie weiter, dass die Gravitation der Erde
keinen Einfluss auf die Gravitation eines 5 Milliarden Lichtjahre
entfernten Planeten hat. Daraus schließe ich,
dass Sie Gravitation als ein lokales Phänomen betrachten.
Wo sollte denn die Grenze sein? Gravitation hat doch den
Charakter eines unbegrenzten Feldes, dessen Orte sich nur
in der Intensität unterscheiden. Die Gravitation der
Erde ist auch noch in einer Entfernung von 5 Milliarden
Lichtjahren vorhanden. Allerdings mit einer derart schwachen
Intensität, dass sie keine für uns erkennbare
Wirkung entfalten kann. Sie scheinen jedem Planeten seine
eigen Gravitation zuordnen zu wollen. Es gibt aber nur eine
Gravitation, sie ist nicht teilbar. Das gleiche gilt meiner
Meinung nach für die Bewusstheit. Unser Bewusstsein
hat mit dem Bewusstsein von Bewohnern des anderen Planeten
genauso viel oder wenig zu tun, wie eine Kompassnadel in
Moskau mit einer anderen in New York. Beide zeigen aber
in die gleiche Richtung, weil sie dem gleichen Magnetfeld
unterliegen.
Sie
behaupten, ich hätte das Bewusstsein mit Photonen
verglichen. Das ist nicht zutreffend. Da haben Sie
etwas total missverstanden. Ich habe lediglich gezeigt,
dass das Phänomen der Zeitlosigkeit auch beim Photon
bekannt ist. Die Zeitlosigkeit ist der einzige Berührungspunkt
und auch die einzige Gemeinsamkeit zwischen dem Photon und
dem Bewusstsein, ansonsten liegen zwischen beiden Welten.
Ich muss Sie auch korrigieren bezüglich Ihrer Aussage
über die Hirnaktivität. Die Gehirnzellen kommunizieren
nicht mittels elektromagnetischer Wellen, sondern über
verhältnismäßig langsame Aktionspotenziale,
die sich entlang der Nervenbahnen ausbreiten (mit einer
Geschwindigkeit von ca. 50 m/sec). Photonen spielen im Gehirn
- soweit mir bekannt ist – keine Rolle.
Mein
Feststellung: „was keine materielle Substanz besitzt, kann
weder Raum noch Zeit haben“ ist Ihrer Meinung nach nicht
schlüssig. Das ist mir völlig unverständlich.
Bedauerlicherweise verzichten Sie hier auf Erklärungen.
Wie, wo und wann sollte sich denn etwas Substanzloses bewegen?
Bezüglich
Einsteins Worten möchte ich auf den Artikel in „bild
der wissenschaften“ verweisen. Dort finden Sie die Stimmen
von Physikern, die eine von Ihnen abweichende Meinung vertreten.
Was
Sie damit meinen, „dass wir (unser Bewusstsein) nicht
der Filmvorführer oder der Zuschauer sind, sondern
die Rolle im Film....“, verstehe ich nicht. Wahrscheinlich
beziehen Sie sich hier auf die Filmszene mit der jungen
Frau vor den Bäumen. Dieser Abschnitt hat den einzigen
Zweck, dem Leser ein Gefühl für Zeitdehnung und
Raumkontraktion zum besseren Verständnis der SRT zu
vermitteln. Es ist keine Erklärung der SRT. In diesem
Beispiel wären wir als Person im Film, da gebe ich
Ihnen Recht. Die wesentliche Grafik ist jedoch die Zeituhr,
die auch auf dem Cover abgebildet ist. Die Frau, die vor
der Trommel sitzt, kann unmöglich wissen, ob sie sich
mit ihrer Unterlage dreht, oder die Uhrentrommel. Auch das
hat primär mit der SRT gar nichts zu tun. Für
mich war nur überraschend, dass Eddington über
die SRT zu einer ähnlichen Aussage kam.
Ihrer
Kritik zum „Photonikus“ stimme ich in jeder Beziehung zu.
Bezüglich der Ruhemasse des Photons besteht aber nach
meinen Informationen noch kein Konsens, ich habe mir das
nicht ausgedacht. Ich habe mit der Ruhemasse selbst ein
Problem: Wenn Sie sagen, unendlich klein und Null sei das
gleiche, dann ist doch meine Aussage der unendliche kleinen
Masse nicht falsch? Das ganze ist eben nur ein Gedankenexperiment,
und als solches doch erlaubt. Gedankenexperiment erfordern
immer Abstriche. Natürlich kann Photonikus nichts sehen
(das habe ich auch geschrieben – S. 140) Aber er ist aus
seiner Situation in unserer Zukunft und Vergangenheit zugleich.
Er „weiß“ bei seinem Start auf der Sonne schon, was
8 Minuten später bei seiner Ankunft auf der Erde passiert.
Ob er sein „Wissen“ vermitteln kann oder nicht, ist dabei
nicht von Bedeutung. Und das ist doch das Wesentliche.
Sie
schreiben: „...die Tatsache der „verkehrten“ Reihenfolge
von Willensentscheidung und neuronaler Aktivität ließe
sich durch das Selbst erklären.“ Das ist eine
Überinterpretation. Ich habe lediglich gesagt: „Unter
der Einheitsbedingung unseres Selbst gibt es jedoch keinen
Unterschied zwischen Ursache und Wirkung, sie sind gleichzeitig
vorhanden.“ Das bedeutet nur, dass so kein Widerspruch entsteht.
Das ist alles. Erklärt wird dadurch gar nichts. Rational
kann nur erklärt werden, was selbst rational strukturiert
ist. Und etwas Irrationales kann weder das Rationale noch
das Irrationale erklären. Ich habe das Selbst als irrational
definiert. Somit vermag es weder irgendetwas zu erklären,
noch kann es rational erklärt werden. Etwas Irrationales
kann eben nur beschrieben und als solches identifiziert
werden. Genau das habe ich getan.
Die
Natur besteht aus einer Mischung von rationalen und irrationalen
Prozessen. Ein Anliegen meines Buches ist es, beide darzustellen
und gegeneinander abzusetzen. Das Experiment von Libet zeigt
ein Verhalten der Natur, das schon vom Prinzip her rational
nicht zu packen ist. Auch ohne Experiment ist die Frage,
was ist zuerst da, der Wille oder die Hirnaktivität,
nicht zu beantworten. Wir befinden uns hier in einer ähnlichen
Situation, wie jemand, der sich den Schlüssel seines
Briefkastens per Post zuschicken lässt, den Brief aber
nicht herausnehmen kann, weil er den Briefkasten ohne den
Schlüssel nicht öffnen kann. Das Problem ist rational
ohne Zerstörung des Briefkastens nicht lösbar.
Die Natur bringt aber im Gehirn irgendwie das Kunststück
fertig, den Willen seiner physikalischen Erschaffung vorausgehen
zu lassen. Daraus ziehe ich den Schluss, dass die Natur
auch im physikalischen Bereich irrational wirken kann. Es
gibt also keinen Grenzbereich zwischen dem „Physikalischen“
und dem „Irrationalen“. Das „Physikalische“ ist selbst zum
Teil „irrational“. Das Bewusstsein kann auch nicht mit der
physischen Welt in Verbindung treten, weil es nicht von
ihr getrennt ist und auch nicht getrennt werden kann. Genauso
wie die Gravitation nicht mit der Materie in Verbindung
tritt, sie ist mit ihr verbunden. Da bleibt kein Raum für
ein weitergehendes rationales Verstehen.
Sie
schreiben: „Das könnte damit zusammenhängen,
dass der Gehirnprozess des „Wahrnehmens der Wahrnehmung“
eine ähnliche Zeit dauert wie die Wahrnehmung selbst...“.
Ein derartiger Prozess wurde bislang von Neurowissenschaftlern
nicht beobachtet. Wenn man diesen Gedankengang weiter verfolgte,
würde man zu einer Wahrnehmung der Wahrnehmung der
Wahrnehmung kommen, das hieße, in einem infiniten
Regress landen. Die Zeitspanne kommt uns auch nicht nur
so kurz vor, sie ist so kurz. Libet hatte auch herausgefunden,
dass ein Schmerzreiz am Fuß bis zu seiner Verarbeitung
im Gehirn bis zu 300 Millisekunden benötigt. Der Schmerz
wird aber fast gleichzeitig mit dem Reiz wahrgenommen. Daraus
haben Neurowissenschaftler den Schluss gezogen, dass die
Natur in der Lage sein muss, das Schmerzerlebnis um diese
Zeit zurückzuverlegen.
Ich
komme jetzt zum Thema Quantenmechanik. Ihnen ist sicher
bekannt, dass unter Physikern weiterhin unterschiedliche
Meinungen zur Kopenhagener Interpretation bestehen. Als
Nicht-Physiker bin ich nur Zaungast dieser interessanten
Diskussion. Ich muss mich auf Meinungen von Physikern verlassen,
dir mir plausibel erscheinen. Mehr ist für mich nicht
drin. Die von Ihnen hier aufgeführten Argumente sind
mir zum größten Teil bekannt. Sie sind aber in
der Diskussion unter Ihren Fachkollegen – ich gehe davon
aus, dass Sie Physiker sind - nicht unwidersprochen. Ich
gebe Ihnen allerdings rechts, dass vieles, was ich als „irrational“
bezeichne, möglicherweise eines Tages doch noch eine
rationale Erklärung findet. Allerdings ist die QM jetzt
hundert Jahre alt, und die Worte von Niels Bohr „wer durch
die QM nicht irritiert ist, hat sie nicht verstanden“ haben
an Bedeutung nichts eingebüßt.
Der
Begriff Nichtlokalität ist typisch für die QM
und wird wohl von allen Quantenphysikern benutzt. Er ist
sprachlich eindeutig. Er bezeichnet etwas, das keinen Ort
hat. Ich nehme die Physiker beim Wort. Einige sind damit
einverstanden. Die meisten erheben aber sofort Einspruch.
Ich nehme an, dass Sie der letzteren Gruppe zugehören.
Für mich ist das Doppelspalt-Experiment für die
Nichtlokalität beweisend. Es funktioniert schließlich
auch mit einzelnen Photonen.
Jetzt
zu Ihren kritischen Anmerkungen:
„...wenn sich ein „zeitloses“ Teilchen plötzlich
in unserer Realität „manifestiert“, muss es doch ein
Ende der Zeitlosigkeit gehabt haben“. Dieser scheinbare
Widerspruch hebt sich dadurch auf, dass die Zeit in unserer
Realität eben nur eine Illusion ist (s. oben bild der
wissenschaften).
Lottokugeln:
Lottokugeln befinden sich physikalisch nie in Überlagerungszuständen
wie kleinste Teilchen, sind als Vergleich somit ungeeignet
Sie
schreiben: „Im Moment der Messung sind sowohl Ort als
auch Geschwindigkeit (Impuls) des Elektrons klar bestimmbar.“
Das verstehe ich überhaupt nicht. Es widerspricht doch
dem Komplementaritätsprinzip?
Sie
schreiben: „Insofern ist Ihre Interpretation der „Ortlosigkeit“
eines Teilchens eine Fehlinterpretation: wir wissen, dass
es in einem sehr weiten Bereich zu finden sein kann, aber
es muss innerhalb dessen an einem bestimmten Punkt sein.“
Diese Ansicht vertreten die meisten Physiker. Es gibt
aber im Fachkreis auch gegenteilige Meinungen. Das Doppelspalt-Experiment
spricht dagegen. Ein Teilchen kann nur einen Spalt durchfliegen.
In dem Fall hätte es einen Ort gehabt. Dann kann es
aber kein Interferenzmuster geben.
„Welle-Teilchen-Dualismus“:
der Begriff Probabilismus weicht doch nur dem Problem aus.
Er soll verhindern, dass man sich etwas vorstellt, was prinzipiell
nicht vorstellbar ist. Das würde ich als ein existierendes
irrationales Phänomen bezeichnen. Die Wahrscheinlichkeitsamplituden
sind natürlich nicht das Teilchen selbst. Sie sind
nur gedachte mathematische Größen ohne eigenständige,
vom Gehirn unabhängige phänomenologische Existenz.
Die Welle, „die Sie anschließend mit blumigen
Worten beschreiben“, ist ein mehr oder weniger hilfloser
Versuch, etwas rational zu beschreiben, was nicht rational
beschreibbar ist. Sie ist aber meiner Meinung nach doch
mehr als eine bloße mathematische Konstruktion. Das
was sie mehr ist, ist aber nicht rational vorstellbar.
„Kollaps
der Wellenfunktion“, ein Grundproblem der QM, an dem
sich die Geister scheiden. Ihr Argument mit der roten
und der grünen Kugel ist mir bekannt. Dem wird
entgegnet, dass die Kugeln keine Quanteneigenschaft besitzen,
sich also nicht in Überlagerungszuständen befinden.
Oder Sie denken an Teilchen, deren Eigenschaften über
verborgene Variabeln bestimmt werden. Dem steht wiederum
die Bellsche Ungleichung im Wege.
Zum
Abschluss. Sie schreiben: „Sie haben eine Theorie entwickelt,
von der Sie selbst sagen, sie sei wissenschaftlich nicht
zu beweisen.“ Ich wüsste nicht, wo ich das geschrieben
haben soll. Was ich darstelle, ist keine Theorie, sondern
nur eine andere Sichtweise, die irrationale Phänomen
der Natur mit einbezieht. Eine Theorie will etwas erklären.
Eine Theorie über irrationale Phänomen kann es
von der Sache her gar nicht geben. Man kann irrationale
Phänomene nur als solche identifizieren und beschreiben.
Ich beschäftige mich somit überwiegend mit Phänomenen,
die ich prinzipiell für nicht erklärbar halte.
Ich versuche auch nicht, meine „Theorie“ mit Beispielen
aus der Physik zu untermauern. Ich wollte lediglich zeigen,
dass auch innerhalb der rational organisierten Physik Zeitlosigkeit
und irrationale Phänomene zu finden sind, was aus meiner
Sicht in keiner Weise herrschende wissenschaftliche Meinungen
in Frage stellt.
Wie
kommen Sie darauf, dass ich Physik und Esoterik verbinden
wollte? Das war zu keiner Zeit meine Absicht. Die Esoterik
müssen Sie sich selbst hineininterpretiert haben. Zwar
beschäftig sich Esoterik auch mit dem Irrationalen.
Sie denkt aber wirksame Kräfte in das Irrationale hinein,
denen ich persönlich nie begegnet bin. Wer mein Buch
aufmerksam gelesen hat, wird feststellen müssen, dass
an keiner Stelle von solchen mysteriösen Kräften
die Rede ist.