„Nichts ist schwerer zu ertragen, als
eine Reihe von guten Tagen“, sagte schon Goethe. Irgendetwas
scheint sich im Menschen gegen das Glück zu sträuben.
Jeder kennt es, das Katergefühl am Tag nach einem rauschenden
Fest oder nach einer traumhaften Liebesnacht. Man könnte
fast meinen, Glücklichsein sei etwas Schlechtes, das
bestraft werden muss. Woher kommt das?
Die Ursache ist
im Ich zu suchen - wie bei allen anderen Schwierigkeiten
auch. Im Zustand des totalen Glücksgefühls löst
sich das Ich auf. Da ist nur noch Glück. Wie in der
Liebe: Ich und du verschwinden im Wir. Aus der Sicht des
Ichs bedeutet Auflösung aber die höchste Alarmstufe.
Auf der einen Seite sucht das Ich den Glückszustand.
Auf der anderen Seite hat es große Angst davor, versucht
ihn zu vermeiden.
Wie ist diesem Dilemma
zu entkommen? Durch Selbst-Training. Das Ich ist ja nur
eine Fiktion, eine Konstruktion des Gehirns. Trotzdem identifizieren
wir uns mit dieser Konstruktion und setzen alles daran,
sie zu schützen und zu bewahren. Indem Selbst-Training
diese Selbsttäuschung entlarvt, verschwindet die Angst
vor dem Glück.