Wer
war Buddha?
Wer war Buddha? In der buddhistischen Welt wird er wie ein
Gott verehrt. Ihm selbst wäre das kaum recht gewesen.
Buddha sprach nie von Göttern, Dämonen oder anderen
überirdischen Mächten. Diese obskure, heute ohnehin
nicht mehr zeitgemäße Mystik wurde erst Jahrhunderte
nach seinem Tod der Lehre hinzugefügt, und ist letztlich
als Rückschritt zu sehen. Buddha war für seine
Zeit hoch modern, und ist es heute - 2500 Jahre später
- immer noch. Nicht als religiöse Person - so wird
er von den meisten gesehen - sondern als forschender Mensch.
Sechs Jahre in stiller Meditation verweilend erforschte
er sein innerstes, sein eigentliches Sein. Das Ergebnis
dieser Seinsforschung hat eigentlich nichts mit Religion
zu tun. Verkürzt kann es in vier Sätzen wiedergeben
werden:
| 1.
|
Alles
ist vorübergehend und veränderlich. |
| 2.
|
Leben
ist Leiden |
| 3.
|
Nichts
existiert allein und unabhängig |
| 4.
|
Die
wahre Realität geht über alle Konzepte hinaus |
Der
erste Satz bezieht sich auf einen zentralen Punkte seiner
Lehre, die Vergänglichkeit. Sie wird im Diamant - Sutra
ausführlich besprochen: Alles Erscheinen ist nur vorübergehend.
Erleuchtung bedeutet, alles Erscheinen als Nicht-Erscheinen
zu erkennen. Das meint der Hinweis eines Meisters: „In diesem
unablässigen Erscheinen und Verschwinden wird das Tor
sichtbar“
Der
zweite Satz kann als Folge des ersten gesehen werden. Wenn
alles vergänglich ist, dann ist der Verlust immer schon
vorprogrammiert. Und Verlust bedeutet Leiden.
Der
dritte Satz bezieht sich auf einen weiteren Kernpunkt der
Lehre, die vollständige gegenseitige Durchdringung.
Jedes ist von jedem abhängig. Alles beeinflusst sich
gegenseitig. Nichts hat eine eigenständige Existenz.
Ein Jedes hat unzählige Ursachen und Folgen.
Der
vierte Satz bezieht sich auf die Erleuchtung, mittels derer
die „Soheit“ der Dinge erlebt werden kann. Dabei handelt
es sich um eine veränderte Erfahrung der Realität.
Das hat nichts mit Mystik zu tun. Es ist lediglich die Wahrnehmung
der Welt vor dem Denken und Bewerten: Zuerst sind die Sinnesorgane
da, mit denen wir sehen, hören usw. Deren Sinneseindrücke
sind aber noch ungeformtes Rohmaterial. Form und Bedeutung
erhalten sie erst durch die geistige Tätigkeit des
Gehirns. Dieser mentale Geist wirkt entsprechend seinen
Gewohnheiten, Erfahrungen und Vorlieben. Er unterscheidet,
beurteilt, kategorisiert, bejaht oder verneint. Mit Hilfe
meditativer Übungen ist es möglich, diesen mentalen
Geist auszuschalten. Wenn das mit einigen Anstrengungen
gelingt, tritt Erleuchtung ein. Dann erscheint plötzlich
eine Welt ohne Unterscheidungen, ohne Wörter und Begriff,
die zum aktiven mentalen Geist gehören.
Es
versteht sich von selbst, dass Erleuchtung nicht beschrieben
werden kann. Weil es in diesem Zustand keine Wörter
gibt. Zenmeister sagen: allein schon den Mund zu öffnen,
ist ein Fehler. Damit entzieht sich Erleuchtung jeder rationalen
Betrachtung. Deswegen ist sie für Normalpersonen irrational
und unverständlich. Rationale philosophische oder naturwissenschaftliche
Ansätze laufen ins Leere. Als einziger gangbarer Weg
bleibt Meditation. Das bedeutet Nicht-Denken und Nicht-Wissen
zu erlernen. Nur im Zustand des Nicht-Denkens und Nicht-Wissens
öffnet sich das Tor.