Das
Gehirn der Neurowissenschaftler
Neurowissenschaftler
lieben es, die Dinge zu vereinfachen, zurechtzubiegen und
so darzustellen, wie es ihnen gerade ins Konzept passt.
So wird zum Beispiel behauptet, Dopamin würde die Aufmerksamkeit
fördern. Wie ist das zu verstehen, wo doch bekannt
ist, dass L-Dopa in niedriger Dosierung keinen Einfluss
auf die Aufmerksamkeit hat, und in höherer Dosierung
sogar konzentrations- und aufmerksamkeitsreduzierend wirkt.
Andererseits gilt es als nachgewiesen, dass Aufmerksamkeit
mit einem Dopamin-Anstieg in bestimmten Gehirnregionen einhergeht.
Mehr aber nicht. Steigert nun Dopamin die Aufmerksamkeit,
oder umgekehrt? Die Alltagserfahrung lehrt uns, dass einer
Aufmerksamsteigerung irgendein Ereignis vorausgeht: Sind
wir im Winter mit dem Auto unterwegs und hören im Radio
eine Glatteiswarnung, dann nimmt unsere Aufmerksamkeit zu.
Würden wir dann sagen, das kommt vom Dopamin? Die Ursache
war eindeutig die Glatteiswarnung. Die Dopaminzunahme ist
nur eine Station einer längeren Ereigniskette. Das
Fußballspiel findet ja auch nicht im Fernseher, sondern
im Stadion statt.
Neurologen
vergleichen die Gehirnfunktionen mit Schaltkreisen. Zum
Schaltkreis gehören Input und Output. Das sind Grundvoraussetzungen.
Das Dilemma ist nun, für das Gehirn ist nur das Input
bekannt ist: die Sinnesorgane. Was und wo ist das Output?
Und wer ist der Adressat des Outputs? Wir sehen das innere
Bild und hören den inneren Ton. Aber an welchem Ort
werden die neuronalen Aktivitäten, die im MRT dargestellt
werden, zum Bild und Ton? Und wer sieht und hört sie?
Es gibt keine Möglichkeit, das zu untersuchen. Wir
stoßen hier an eine magische Erkenntnisgrenze und
deswegen kann kein Mensch diese Fragen beantworten. Der
Neurowissenschaftler befindet sich in der Situation eines
Forschers, der einen Rechner untersucht, um die Funktion
des Bildschirmes zu verstehen. Neurowissenschaftler lieben
das Thema nicht und schweigen sich besser darüber aus.
Wissenschaftler sollten aber der Wahrheit verpflichtet sein.
Hier besteht dringender Aufklärungsbedarf.